Wie kommen wir nun raus aus dem Haus?

Wo war ich neulich stehengeblieben? Ach ja, der Umzug. Im Mai lief unser Mietvertrag aus. Wir mussten also nur acht Wochen vorher kündigen – fertig. Ist ja alles easy in Amerika. Manchmal. Machmal auch nicht.

Wir hatten Glück mit unserem Haus. Im Gegensatz zu vielen anderen Expats in der Gegend, mussten wir nicht nach ein oder zwei Jahren wieder ausziehen, weil das Haus verkauft wurde oder die Vermieter aus dem Ausland zurückkamen. Miethäuser sind hier Mangelware. Der Amerikaner kauft, wenn der Kreditrahmen es hergibt. Und wenn nicht, dann ist das schon mal sehr verdächtig.

Während des Look and See Trips wurde uns schnell klar, dass die grösste Schwierigkeit unseres ganzen Projektes, das Finden einer Behausung innerhalb eines guten Schuldistriktes sein würde. Durch eine glückliche Fügung hatten wir beim täglichen Durchforsten der einschlägigen Immo-Webseiten ein Haus gefunden – genau fünf Minuten entfernt von Philipps Büro, innerhalb eines Schuldistriktes, der ganz oben auf unserer Liste stand. Kaum gesehen, war das Angebot auch schon wieder verschwunden. Wie von Geisterhand. Wir kontaktierten trotzdem Tom, unseren Makler. Er versprach, der Sache auf den Grund zu gehen. Zwei Tage später wussten wir, dass besagtes Haus nun nicht mehr zur Miete, sondern zum Verkauf stand. Dumm gelaufen.

Da Aufgeben jedoch keine Option und weit und breit kein anderes Objekt in Sicht war, mussten wir andere Geschütze auffahren. Was so viel bedeutete wie: Mein Gatte verpackt sein Verhandlungsgeschick mit einer Portion Schweizer Charme und überzeugt die Hausbesitzer davon, dass es nichts Besseres gibt, als seiner lovely Family aus dem Heidiland für einige Jahre Unterschlupf zu gewähren. Zwei Telefonate später, sass meine bessere Hälfte, mit einem Familienfoto bewaffnet, im Flieger auf dem Weg nach Michigan.

Die wussten wahrscheinlich auch nicht, wie ihnen geschah. Am folgenden Tag war Philipp, samt Vertrag, bereits wieder auf dem Weg in die Schweiz – Mission accomplished. Die Hausbesitzer hatten uns sogar vertraglich zugesichert, zu warten bis unsere noch immer hängigen Visaanträge bestätigt sein würden.

Wenn die gewusst hätten, mit was für Wohnkomfort-Optimierern sie es zu tun hatten, hätte sich mein Mann die Charme Offensive sowieso sparen können. Während unseres Aufenthaltes haben wir, ganz nebenbei, drei Bäder und zwei Zimmer komplett renoviert und zum Leidwesen unserer botanisch eher wenig motivierten Kinder, in mehreren familiären Grosseinsätzen den völlig verwilderten Garten in vorzeigbaren Zustand gebracht.

Wir hatten unsere Vermieter schon vier Monate vor dem geplanten Auszug davon in Kenntnis gesetzt, dass wir den Vertrag nicht verlängern würden – ein schwerer Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.

Das Haus sollte nach unserer Kündigung verkauft werden. Der Zeitpunkt war perfekt. Unmittelbar nach unserem Auszug war Moving Season in Michigan. Die Preise hatten schwindelerregenden Höhen erreicht. Es sollte also kein Problem sein, die Hütte an den Mann zu bringen.

An einem eisigen Wintermorgen standen „Dick und Doof“ in weiblich vor der Tür – die Makler. Sie wollten sich schnell ein Bild darüber machen, welche Leichen es in welchem Keller zu verstecken galt. Wir liessen sie gewähren. Bereits fünf Minuten später küssten sie den Boden unter unseren Füssen. Sie hatten das Haus zuletzt bei der Unterzeichnung unseres Mietvertrages gesehen. Damals zierten violett-güldene Tapeten mit barockem Bollywood Charme die Badezimmer. Passend dazu ist jeder Einfall natürlichen Lichtes durch schwere Brokatvorhänge in Wohnzimmer und Küche zuverlässig blockiert gewesen. Sowas wäre selbst in Amerika, wo man ja gerne mal semi-antik und dunkelholzlastig wohnt, schwer zu vermitteln gewesen. „Dick und Doof“ hatten plötzlich Dollarzeichen in den Pupillen und bauten in Gedanken mit dem zu erwartenden Verkaufsgewinn schon neue Pools in ihre suburbanen Gärten.

Jetzt musste nur noch das passende Datum für ein „Open House“ gefunden werden und wir würden uns wieder den wirklich wichtigen Dingen widmen können. Nämlich der Organisation unseres transatlantischen Umzugs.

„Open House“ könnt ihr euch in etwa so vorstellen: Eine Horde wildfremder Leute rennt durch deine Behausung und bekommt ganz nebenbei einen Überblick über dein aktuelles Unterwäschesortiment und die Auswahl an schlüpfriger Literatur in deinem Nachttisch. Schon allein die Vorstellung davon sorgte bei mir für nervöse Zuckungen. Ganz im Gegensatz zum Gatten. Der ist da grundsätzlich tiefenentspannt. Ihm könnte es egaler nicht sein, wer in seiner Sockenschublade wühlt. Die Kinder waren auch keine grosse Hilfe, da die schon immer überzeugte Verfechter von #mehrrealitätimkinderzimmer waren.

Ich stand also allein auf weiter Flur und machte mich ans Werk. Nachdem das Haus einmal von oben bis unten aufgeräumt und geputzt, alle Schränke konMaried, Keller und Garage ausgemistet waren, verstauten wir Wertgegenstände und Medikamente im Auto. Das dynamische Makler-Duo legte uns zuvor eindringlich ans Herz, nichts von beidem im Haus zu belassen. Das beruhigte mich jetzt irgendwie so gar nicht.

An einem frühlingshaften Samstagmorgen räumten wir das Feld und überliessen unser Heim einer beachtlichen Meute potentieller Käufer.

Fünf Stunden später, waren an die dreissig Familien und Paare durch unsere Gemächer gewandelt. Irgendjemand würde ein Angebot unterbreiten und die Sache war erledigt, …dachte ich. Wahrscheinlich ahnt ihr inzwischen, dass es so einfach dann doch nicht war. Fortsetzung folgt…

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