Wir werden eine französische Austauschschülerin zu Gast haben

peace france

1024px-France_Flag_Map.svgSchwanders lag die internationale Völkerverständigung ja schon immer am Herzen, also haben wir beschlossen, in den nächsten zwei Wochen eine französische Austauschschülerin bei uns aufzunehmen und ihr den „American Way of Life“ näher zu bringen.

Der Austausch findet über eine fanzösisch-amerikanische Nonprofit Organisation statt und wird über Chiara’s Middle School abgewickelt. Die Teilnehmer der amerikanischen Seite besuchen den Französischunterricht der 7. und 8. Klasse und werden in den Sommerferien für ebenfalls zwei Wochen nach Frankreich reisen. Unsere Partnerschule liegt in Bailly-Romanvilliers. Das kleine Städtchen hat etwa 6000 Einwohner und befindet sich eine Stunde von Paris entfernt. Zum Euro Disney sind es 20 Minuten.

Zuerst waren wir etwas überrascht, dass wir als „durch und durch amerikanische Familie“ überhaupt für das Programm in Frage kamen, aber da hier alle irgendwie Einwanderer sind, spielt es wohl keine grosse Rolle, dass wir noch nicht mal ein Jahr hier wohnen. Eine der teilnehmenden Familien kommt aus Indien und eine weitere aus England. Die Eltern unserer Austauschschülerin sind aus Benin nach Frankreich eingewandert, also auch keine typischen Franzosen.

Der Austausch erfordert hier übrigens ganzen Einsatz, nicht nur von den Schülern, wie ich gehofft hatte :-), sondern vor allem von den Eltern. Die Amerikaner überlassen ja ungern mal was dem Zufall und sind an Bürokratie und Planungswut kaum zu übertreffen. Seit der vertraglichen Zusage unserer Teilnahme habe ich sage und schreibe 12! Elternversammlungen beigewohnt, um den Aufenthalt der französischen Schüler bis ins Detail zu planen, ein Gruppen-T-Shirt zu designen, über gesellschaftliche und kulturelle Unterschiede informiert zu werden und die Terrorgefahr zu diskutieren. Ich bin nicht sicher, ob ich meine Unterschrift noch mal unter so einen Vertrag setzen würde, jetzt, wo ich weiss, was ich weiss… Nicht das ich mich jemals davor gedrückt hätte, mich freiwillig irgendwo zu engagieren – darum geht’s gar nicht. Ich bin einfach der Ansicht, wenn man sich irgendwo einbringt, darf das gerne auch mal effizient sein. Mit der Effizienz steht der Amerikaner allerdings auf Kriegsfuss. Hier scheint man davon auszugehen, lieber drei Mal mehr erklärt als ein Mal zu wenig. Und auf jedes Meeting folgen dann noch Emails mit den entsprechenden Infos, aber es herrscht Anwesenheitspflicht. Nachdem die Leiterinnen des Programms uns dann jedes Mal ausgiebig darüber unterrichtet hatten, wie sicher unsere Kinder bei ihnen aufgehoben sein werden, immer mit der Betonung, jede inter-geschlechtliche Annäherung sofort mit geschultem Auge zu erkennen und selbstverständlich unter Einsatz aller verfügbaren Mittel zu verhindern, konnten wir uns, sichtlich erleichtert, unserer Komiteearbeit zuwenden und organisieren, was das Zeug hält. Mein zaghafter Vorschlag, doch einfach mal die Infos aus den vergangenen Jahren zu begutachten und unseren Gegebenheiten anzupassen, wurde leider mit unverständlichem Schulterzucken abgewiegelt, also haben wir mal eben das Rad neu erfunden.

Chiara hingegen nimmt jeden Montag an einem Schülermeeting teil und bekommt dort, neben landeskundlichen Infos und nützlichen Vokabeln, französischen Käse zum Probieren – das Leben ist nicht fair :-).

france-1045573_1920Morgen Abend ist nun das vorerst letzte Meeting und die Organisatorinnen haben hoffentlich das Gefühl, ihre französischen Schützlinge mit gutem Gewissen in unsere Obhut zu entlassen.

Wir freuen uns jedenfalls riesig, Océane, so heisst unsere Austauschschülerin, bei uns willkommen zu heissen.

Vive la France!

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