Spring Break in New Orleans und Texas / Teil 2

Nun also die längst fällige Fortsetzung von Springbreak in New Orleans und Texas / Teil 1

Durch die Mangroven gesäumten Sumpfgebiete von Louisiana fuhren wir knapp 600 Km Richtung Westen bis nach Houston.

Welcome to Texas!

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Houston ist die viertgrösste Stadt der USA. Die Stadt verdankt ihr Wachstum der Öl- und Gasindustrie, der biomedizinischen Forschung und der Luftfahrtindustrie. Die Innenstadt wird durch Wolkenkratzer und Highways dominiert. Ein richtiges Stadtzentrum gibt es nicht. Bis auf die üblichen Museen, waren die Sehenswürdigkeiten schnell besichtigt…

Houston
Houston
Water wall
The Water Wall
Gerald D. Hines Water Wall Park
Gerald D. Hines Water Wall Park

Williams Building

Williams Building Matteo

Bayou Bend
Bayou Bend
Bayou Bend
Bayou Bend

Houston

Houston
We Love Houston Sign

Und weiter ging’s 240 Km Richtung Süden nach Corpus Christi. Die Hauptattraktion von Corpus Christi ist zweifelsohne die USS Lexington, ein Flugzeugträger, der zwischen 1943 und 1991 im Dienst der United States Navy stand.

USS Lexington

USS Lexington

USS Lexington

USS Lexington

USS Lexington

Die Besichtigung ist definitiv empfehlenswert. Man bekommt einen interessanten Einblick in das Leben an Bord und kann sich die Küche, den Speisesaal, den Maschinenraum, die Krankenstation, die Zahnarztpraxis, das Kino und vieles mehr ansehen. So ein Flugzeugträger ist wie eine kleine Stadt – auf engstem Raum gibt es alles, was man braucht. Bei Fragen stehen viele Freiwille zu Verfügung, die ihr Wissen gerne teilen. Auch wenn man, wie ich, kein Fan militärischer Ausrüstung ist, kann man dem Besuch eines Flugzeugträgers durchaus etwas abgewinnen und sei es nur den Blick auf’s Meer ;-).

Nach weiteren drei Stunden Fahrt Richtung Süden erreichten wir South Padre Island, ein touristisches Ferienziel. Von dort aus ging es für uns direkt weiter zum Padre Island National Seashore, einem wunderhübschen Küsten-Nationalpark am Golf von Mexiko. Wir suchten uns einen menschenleeren Strand zum Baden, Sonnen und Entspannen aus und verbrachten dort den Nachmittag.

Padre Island

Padre Island

Padre Island

Padre Island

Die nächste Station unserer Reise war San Antonio. Doch davon mehr im dritten Teil

Eine Woche nach der Wahl…

Eine Woche später ist Donald Trumps Wahl zum 45. Präsidenten der USA Thema Nummer eins in den nationalen und internationalen Medien. Es wird darüber spekuliert, was das jetzt genau heisst, für die Amerikaner und die Welt.

Wenn ich mir meine Umgebung, in der realen Welt und auf den Social Media Kanälen so anschaue, dann gibt es hier viele Fragen nach dem Warum, die erschreckende Erkenntnis, dass eben nicht nur Rassisten und Ungebildete Donald Trump zu ihrem Präsidenten erkoren haben. Nein, die gebildete Mittelschicht hat kräftig mitgeholfen und die Demokraten haben es nicht geschafft, genügend Afroamerikaner und Latinos zum Gang an die Urne zu motivieren. Es ist mittlerweile fast allen klar geworden, dass Hillary Clinton wohl nicht die geeignete Kandidatin für die Enttäuschten und wirtschaftlich Gebeutelten war. Sie repräsentiert eine politische Elite, mit der Joe Average, der amerikanischen Max Mustermann, rein gar nichts gemein hat. Die politische Landschaft in den USA ist extrem korrupt, wer auch nur die leiseste Chance auf ein höheres Amt haben will, benötigt finanzkräftige Unterstützung aus der freien Wirtschaft, die er oder sie aber nicht ohne entsprechende Gegenleistungen erhalten wird.

Der einzige Kandidat, der sich erfolgreich gegen dieses System gewehrt hat, war Bernie Sanders. Er hat es geschafft, die Massen zu begeistern und seine Kampagne unabhängig von Corporate Amerika zu finanzieren. Nur leider hat er das in der Wahlperiode versucht, in der Hillary Clinton unbedingt gewinnen wollte. Sie und ihr Wahlkampfteam haben es im richtigen Moment geschafft, Bernie Sanders als Atheisten zu denunzieren und als solchen für religiöse Demokraten faktisch unwählbar zu machen.

Die Demokraten müssen sich nun wohl von Grund auf neu erfinden, wenn sie das Weisse Haus 2020 zurückerobern wollen. Sie haben nämlich nicht nur die Präsidentschaftswahl verloren, nein, sie haben es auch nicht geschafft, im Senat und im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu erringen. Und das ist noch fast schlimmer, als Mr. Trump im Chefsessel. Die Republikaner können nun nämlich fast widerstandslos die letzten acht Jahre der Obama-Regierung ungeschehen machen. Amerika katapultiert sich damit mal eben zurück in die Vergangenheit.

Niemand weiss, was für ein Präsident Trump sein wird und man hört vermehrt Stimmen, die dazu aufrufen, ihn doch erstmal machen zu lassen. In der Hoffnung, es werde dann doch nicht alles so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Nun, damit tue ich mich sehr schwer. Wir sollen nun also einfach vergessen, dass dieser Mensch vom Klu-Klux-Klan unterstützt wird, dass er Mexikaner unter den Generalverdacht stellt, Vergewaltiger und Drogendealer zu sein, Moslems an der Einreise hindern und sämtliche Klimaschutzabkommen für null und nichtig erklären will. Dass er an seinen Wahlkampfveranstaltungen öffentlich zu Gewalt gegen seine Gegner aufgerufen und angedroht hat die Washington Post dicht zu machen, sobald er gewählt ist, weil ihm deren Berichterstattung nicht in den Kram gepasst hat. Zudem hält er 50% der Bevölkerung für Freiwild, deren Daseinsberechtigung einzig und allein in der Unterhaltung des anderen Teils der Bevölkerung besteht. Nein, danke, dass ist so falsch, das begreift jeder Grundschüler.

Wie sollen wir unseren Kindern, denn erklären, dass man andere Menschen mit Respekt behandelt, aber Donald Trump jetzt trotzdem die mächtigste Position in der freien Welt inne hat? Ich verstehe das nicht und habe dazu auch keine schlüssige Erklärung für meine Kinder parat, also nutze ich den katastrophalen Wahlausgang dazu, ihnen anschaulich zu erklären, wie wichtig es ist, dass wir alle unser Wahlrecht als Privileg verstehen, welches wir auch nutzen müssen, weil sonst nämlich Demagogen, wie Donald Trump über unsere Zukunft entscheiden.

Nun, noch ist Mr. Trump nicht Präsident. Er muss im Electoral College am 19. Dezember 2016 erst noch offiziell von den Wahlmännern gewählt werden. Da diese Wahl anonym ist, besteht immer noch die Hoffnung, dass Trump nicht die erforderlichen 270 Stimmen erhält um Präsident zu werden. Viele progressive Wähler hoffen nun, eine genügend grosse Anzahl an Wahlmännern davon überzeugen zu können, ihre Stimme nicht an Herrn Trump abzugeben. Dazu gibt es landesweit Aktionspläne. Michael Moore hat auch schon einen Plan vorgelegt, nach dem angestrebt wird, Trump seines Amtes zu entheben, sobald er das erste Mal gegen bestehendes Gesetz verstösst.

Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Die letzte Episode von Last Weeks Tonight widmet sich ebenfalls ausschliesslich der Wahl – John Oliver bringt es, wie immer, auf den Punkt (Achtung: nicht ganz jugendfreie Sprache ;-)…

Und damit es hier dann doch auch noch andere Themen gibt, als rassistische Grossväter mit einer Hand am Atomknopf, folgen noch ein paar friedliche Herbstbilder vom letzten Sonntag.

sunny day
Sonntagsspaziergang im Rolling Hills Park
chillen am See
Chillen am See
Herbstwald
Die Blätter sind nun fast alle gefallen
Weihnachten steht vor der Tür
Zeit für Weihnachtsdeko – hier gerne auch in bunt 😉

Der Tag an dem D. Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde

Wenn ich euch sagen würde, ich habe das nicht erwartet, dann wäre das die Untertreibung des Jahrhunderts.

Ich lebe seit mehr als 19 Monaten in Amerika und kann euch trotzdem nicht erklären, wie es dazu kommen konnte, dass Donald Trump im Januar 2017 der mächtigste Mann der Welt sein wird.

Noch unglaublicher ist allerdings, dass nicht nur ich das nicht habe kommen sehen, niemand hatte mit diesem Ergebnis gerechnet – nicht in Amerika, nirgendwo auf der Welt.

Die Umfragen lagen meilenweit daneben, die Journalisten der grossen Zeitungen hatten ihre Artikel zum historischen Wahlsieg von Hillary Clinton, der ersten Frau, die als Präsidentin ins Weisse Haus einziehen wird, bereits in der Schublade.

Als Trump sich zur Wahl gestellt hat, waren wir ungläubig, aber doch irgendwie amüsiert. Als er dann tatsächlich das Mandat der Republikaner erhielt, haben wir dieser Partei den Verlust des gesunden Menschenverstandes und ein tiefgründiges innerparteiliches Problem attestiert. Im Zuge des Wahlkampfes, währenddessen wir uns Trumps haltlose Lügen, Beleidigungen und Respektlosigkeiten gegenüber Minderheiten, Andersgläubigen, Immigranten, Behinderten und Frauen anhören mussten, war uns klar: Der Kandidat demontiert sich selbst und ist absolut nicht wählbar.

Ich persönlich war mir zu 100% sicher, spätestens nach Bekanntwerden des Videos mit den zutiefst respektlosen und Menschen verachtenden Äusserungen gegenüber Frauen, ist seine Kampagne am Ende. Es geht mir nicht in den Kopf, wie auch nur eine Frau auf diesem Planeten, mit dem kleinsten Funken Selbstachtung, diesem Mann ihre Stimme geben und dann noch in den Spiegel schauen kann.

Ich verstehe das einfach nicht.

…Und dann kam Chiara aus der Schule und erzählte mir von ihrer Englischlehrerin. Das ist eine nette, sympathische Frau, Anfang 50, die Tochter italienischer Einwanderer, die mit einem erfolgreichen Geschäftsmann verheiratet ist und eigentlich nur zum Spass arbeitet, aber unglaublich engagiert ist. Diese Frau hat ihre Stimme Donald Trump gegeben, weil sie nach eigener Aussage, immer republikanisch wählt und Hillary Clinton für eine Lügnerin hält. Sie sei zwar kein Fan von Mr. Trump, wie sie sagt, halte ihn aber im Vergleich zu Mrs. Clinton für das kleinere Übel.

Und genau da liegt, meiner Meinung nach das Problem. Viele Wähler wollten gar nicht direkt für Trump, aber ganz sicher gegen Clinton stimmen – koste es, was es wolle. Es gibt sie, die wahren Trump Fans, die einen Sündenbock für ihre Misere benötigen und den von Trump geliefert bekamen: Minderheiten, Immigranten, Andersgläubige… Diese hauptsächlich weissen, ungebildeten Männer, haben Trump gewählt, weil sie tatsächlich an ihn und sein vereinfachtes Weltbild glauben. Sie allein hätten ihn aber niemals zum Präsidenten machen können. Dazu war die Hilfe der Mittelschicht nötig, die Hilfe derer, die zwar nicht offen rassistisch sind und sich selbst wahrscheinlich für tolerant halten, aber in Hillary Clinton das Symbol der politischen Kaste sehen, die jede Verbindung zum Volk verloren hat.

Die Demokraten haben sich das selbst eingebrockt, in dem sie nicht den Mut gezeigt haben, den einzig wirklich progressiven Kandidaten, jemanden der nachweislich die Verbindung zum Volk nie verloren hat, ins Rennen zu schicken. Das wäre Bernie Sanders gewesen…

Die Nacht war lang und den Tag haben wir hauptsächlich in Schockstarre verbracht. Lasst uns erst mal verdauen, was passiert ist und morgen darüber nachdenken, was Herr Trump wohl für ein Präsident sein wird.

Stephen Colbert hat meinen Gemütszustand gestern Nacht am besten wiedergegeben:

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