Eine Woche nach der Wahl…

Eine Woche später ist Donald Trumps Wahl zum 45. Präsidenten der USA Thema Nummer eins in den nationalen und internationalen Medien. Es wird darüber spekuliert, was das jetzt genau heisst, für die Amerikaner und die Welt.

Wenn ich mir meine Umgebung, in der realen Welt und auf den Social Media Kanälen so anschaue, dann gibt es hier viele Fragen nach dem Warum, die erschreckende Erkenntnis, dass eben nicht nur Rassisten und Ungebildete Donald Trump zu ihrem Präsidenten erkoren haben. Nein, die gebildete Mittelschicht hat kräftig mitgeholfen und die Demokraten haben es nicht geschafft, genügend Afroamerikaner und Latinos zum Gang an die Urne zu motivieren. Es ist mittlerweile fast allen klar geworden, dass Hillary Clinton wohl nicht die geeignete Kandidatin für die Enttäuschten und wirtschaftlich Gebeutelten war. Sie repräsentiert eine politische Elite, mit der Joe Average, der amerikanischen Max Mustermann, rein gar nichts gemein hat. Die politische Landschaft in den USA ist extrem korrupt, wer auch nur die leiseste Chance auf ein höheres Amt haben will, benötigt finanzkräftige Unterstützung aus der freien Wirtschaft, die er oder sie aber nicht ohne entsprechende Gegenleistungen erhalten wird.

Der einzige Kandidat, der sich erfolgreich gegen dieses System gewehrt hat, war Bernie Sanders. Er hat es geschafft, die Massen zu begeistern und seine Kampagne unabhängig von Corporate Amerika zu finanzieren. Nur leider hat er das in der Wahlperiode versucht, in der Hillary Clinton unbedingt gewinnen wollte. Sie und ihr Wahlkampfteam haben es im richtigen Moment geschafft, Bernie Sanders als Atheisten zu denunzieren und als solchen für religiöse Demokraten faktisch unwählbar zu machen.

Die Demokraten müssen sich nun wohl von Grund auf neu erfinden, wenn sie das Weisse Haus 2020 zurückerobern wollen. Sie haben nämlich nicht nur die Präsidentschaftswahl verloren, nein, sie haben es auch nicht geschafft, im Senat und im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu erringen. Und das ist noch fast schlimmer, als Mr. Trump im Chefsessel. Die Republikaner können nun nämlich fast widerstandslos die letzten acht Jahre der Obama-Regierung ungeschehen machen. Amerika katapultiert sich damit mal eben zurück in die Vergangenheit.

Niemand weiss, was für ein Präsident Trump sein wird und man hört vermehrt Stimmen, die dazu aufrufen, ihn doch erstmal machen zu lassen. In der Hoffnung, es werde dann doch nicht alles so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Nun, damit tue ich mich sehr schwer. Wir sollen nun also einfach vergessen, dass dieser Mensch vom Klu-Klux-Klan unterstützt wird, dass er Mexikaner unter den Generalverdacht stellt, Vergewaltiger und Drogendealer zu sein, Moslems an der Einreise hindern und sämtliche Klimaschutzabkommen für null und nichtig erklären will. Dass er an seinen Wahlkampfveranstaltungen öffentlich zu Gewalt gegen seine Gegner aufgerufen und angedroht hat die Washington Post dicht zu machen, sobald er gewählt ist, weil ihm deren Berichterstattung nicht in den Kram gepasst hat. Zudem hält er 50% der Bevölkerung für Freiwild, deren Daseinsberechtigung einzig und allein in der Unterhaltung des anderen Teils der Bevölkerung besteht. Nein, danke, dass ist so falsch, das begreift jeder Grundschüler.

Wie sollen wir unseren Kindern, denn erklären, dass man andere Menschen mit Respekt behandelt, aber Donald Trump jetzt trotzdem die mächtigste Position in der freien Welt inne hat? Ich verstehe das nicht und habe dazu auch keine schlüssige Erklärung für meine Kinder parat, also nutze ich den katastrophalen Wahlausgang dazu, ihnen anschaulich zu erklären, wie wichtig es ist, dass wir alle unser Wahlrecht als Privileg verstehen, welches wir auch nutzen müssen, weil sonst nämlich Demagogen, wie Donald Trump über unsere Zukunft entscheiden.

Nun, noch ist Mr. Trump nicht Präsident. Er muss im Electoral College am 19. Dezember 2016 erst noch offiziell von den Wahlmännern gewählt werden. Da diese Wahl anonym ist, besteht immer noch die Hoffnung, dass Trump nicht die erforderlichen 270 Stimmen erhält um Präsident zu werden. Viele progressive Wähler hoffen nun, eine genügend grosse Anzahl an Wahlmännern davon überzeugen zu können, ihre Stimme nicht an Herrn Trump abzugeben. Dazu gibt es landesweit Aktionspläne. Michael Moore hat auch schon einen Plan vorgelegt, nach dem angestrebt wird, Trump seines Amtes zu entheben, sobald er das erste Mal gegen bestehendes Gesetz verstösst.

Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Die letzte Episode von Last Weeks Tonight widmet sich ebenfalls ausschliesslich der Wahl – John Oliver bringt es, wie immer, auf den Punkt (Achtung: nicht ganz jugendfreie Sprache ;-)…

Und damit es hier dann doch auch noch andere Themen gibt, als rassistische Grossväter mit einer Hand am Atomknopf, folgen noch ein paar friedliche Herbstbilder vom letzten Sonntag.

sunny day
Sonntagsspaziergang im Rolling Hills Park
chillen am See
Chillen am See
Herbstwald
Die Blätter sind nun fast alle gefallen
Weihnachten steht vor der Tür
Zeit für Weihnachtsdeko – hier gerne auch in bunt 😉

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