The American Way of Weihnachten

Meine Gedanken zur Vorweihnachtszeit in Amerika…

Weihnachten ist hier DAS Fest des Jahres. Obwohl Thanksgiving als einziges religionsübergreifendes Fest von wirklich allen Amerikanern gefeiert wird – da reist man oft quer durchs Land, besucht Familie und Schwiegerfamilie und isst nicht selten zweimal am Tag Truthahn und Pumpkin Pie. Trotzdem finde ich, Weihnachten wird hier zelebriert als gäbe es kein Morgen.

Da gibt es Radiosender, die zwischen Halloween und Neujahr von morgens bis abends ununterbrochen Weihnachtsmusik spielen.

Der grosse Auftakt zu den Festlichkeiten erfolgt unmittelbar nach Thanksgiving am Black Friday, dem grössten landesweiten Ausverkauf. Und damit auch wirklich jeder auf seine Kosten kommt, hatten viele Geschäfte in diesem Jahr schon an Thanksgiving zwischen 18.00 Uhr und Mitternacht geöffnet, vielleicht um Szenen wie diese in Zukunft zu verhindern?

 

Let the Games begin!

 

Nun ja, beschenkt wird sich hier jedenfalls reichlich – diesem Artikel zufolge wird jeder volljährige Amerikaner in diesem Jahr durchschnittlich $929 für Weihnachtsgeschenke ausgeben. Das ist ein beeindruckender Betrag, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um einen Durchschnittswert handelt.

Damit aber nicht etwa der Eindruck entstünde, es ginge nur um materielle Werte, kann ich euch beruhigen, es geht natürlich nicht nur um die Geschenke, sondern um ihn…richtig, Santa Claus. Jede Familie mit kleinen und erstaunlicherweise auch grösseren Kids rennt hier mindestens einmal im Dezember in die diversen Einkaufszentren, um das obligatorische Foto mit den lieben Kleinen auf dem Schoss von Santa Claus zu schiessen oder gar für Wucherpreise käuflich zu erwerben. Ich für meinen Teil finde das irgendwie befremdlich. Der Durchschnittsamerikaner ist ja gerne mal paranoid und lässt seine Kids aus Angst vorm „bösen Mann“ nicht mal eine Runde auf dem Fahrrad im eigenen Wohnquartier drehen, setzt sie dann aber freiwillig einem wildfremden, von einem Kaufhaus angeheuerten, verkleideten Typen auf den Schoss. Gehen die alle davon aus, dass die Weihnachtsmänner in spe vor der Anstellung intensiven Background Checks unterzogen werden? Das glaube ich ja eher nicht, obwohl …

Neulich habe ich gelesen, es gibt sogar etliche sogenannte „Santa Colleges“, an denen man sich für genau diesen Job ausbilden lassen kann. Womit euch klar sein dürfte, welche Bedeutung Santa Claus in Amerika hat. Das passt allerdings nicht allen Amerikanern. Eine besonders fiese Anti-Santa Aktion hat sich vor ein paar Tagen in Texas zugetragen. Dort hatte ein Pastor in einer Mall für Ärger gesorgt, weil er kleine Kinder darüber aufgeklärt hatte, dass weder Santa, noch seine Rentiere wirklich existieren und sie seit Jahren von ihren Eltern systematisch belogen werden. Das kam dann eher nicht so gut an…

 

 

Und was gibt es sonst noch so für kulturelle Unterschiede an Weihnachten zu beobachten?

Der Weihnachtsbaum wird oft gleich nach Thanksgiving aufgestellt und geschmückt und nicht, wie bei uns, am heiligen Abend oder kurz davor. Diese Tradition haben wir schon im letzten Jahr direkt übernommen, weil ich finde, man hat dann mehr vom Baum und der ganze Dekoaufwand lohnt sich wenigstens. Allerdings halten wir es mit der Dekoration eher klassisch rot/gold/silber und ändern nicht in jedem Jahr die Farbpalette, um dann in der Vorweihnachtszeit alle Jahre wieder das Bruttosozialprodukt mit dem Kauf neuer Ornamente anzukurbeln.

 

 

 

 

Die äussere Beleuchtung der Häuser kann mitunter zum Wettbewerb ausarten, welchen dieses Haus in unserer Neighborhood klar gewonnen haben dürfte…

 

 

Adventskalender gibt es zwar mittlerweile auch hier, aber die Wichtigkeit, den die Kalender bei uns haben, werden sie in Amerika wohl nie erreichen. Meine Kinder freuen sich ja immer schon ab September auf den Adventskalender und deswegen kam ich auch in diesem Jahr nicht drumherum 48 individuelle Päckchen zu verpacken, um ihnen das Warten auf Weihnachten zu verkürzen.

Der klassische Adventskranz mit vier Kerzen ist hier auch eher unbekannt. Die Kränze an sich gibt es schon, allerdings werden sie an die Tür gehängt (ohne Kerzen ;-)). Da ich ja eher nicht so die Bastel-Mutti bin und meine Adventskränze in den vergangenen Jahren immer frühestens am 2. Advent fertig geworden sind, habe ich mich auch hier den kulturellen Gegebenheiten voll und ganz angepasst und es in diesem Jahr bei (gekauften) Türkränzen belassen.

 

 

Gebacken wird natürlich auch in Amerika. Die klassischen Plätzchen zum Ausstechen werden aber erst nach dem Backen mit quietschsüssem, lebensmittelfarbintensivem Frosting verziert. Wer allerdings etwas auf sich hält, bäckt „European Style Cookies“ – wer hätte gedacht, dass Mailänderli und Vanillekipferl auch fancy sein können :-)…

 

 

Die Geschenke gibt es, wie ihr sicher wisst, für amerikanische Kinder immer erst am Weihnachtsmorgen und nicht schon an Heiligabend. Da hört in meiner Familie allerdings der kulturelle Anpassungswille auf und deshalb wird bei Schwanders weiterhin am 24. beschert, allerdings mit weit weniger hohen Geschenkbergen als das hierzulande üblich ist. Am 25. brunchen wir dann gemütlich im Schlafanzug (eigens zu diesem Zweck gibt es hier überall Weihnachtspyjamas zu kaufen) und freuen uns unserer Geschenke.

Der 26. ist in den USA kein Feiertag, sondern der Auftakt zum nächsten grossen Shoppingereignis – dem After Christmas Sale. Da werden dann hauptsächlich ungewollte Geschenke umgetauscht bzw. Gutscheine eingelöst.

Im letzten Jahr haben wir Weihnachten bei tropischen Temperaturen in Mexiko verbracht, aber diesmal feiern wir zu viert zuhause, hoffentlich umgeben von Schnee…bis jetzt stehen die Chancen auf weisse Weihnachten sehr gut.

 

 

 

 

Wir waren übrigens am letzten Wochenende mitten im Schneechaos in Detroit, um uns die Weihnachtsbeleuchtung anzusehen und wurden nicht enttäuscht.

 

 

 

 

 

 

Und wie werdet ihr in diesem Jahr die Feiertage verbringen?

Ganz entspannt zu Hause? Auf Reisen? Mit der Grossfamilie?

 

Lasst uns wissen, was ihr denkt!

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