Erster Schultag oder wie der 7-Sekunden-Drop-Off funktioniert

Chiara und Matteo hatten am Monatgmorgen ihren ersten amerikanischen Schultag. Dieses Ereignis wurde von allen Beteiligten freudig und gespannt, aber auch mit ein klein wenig Angst erwartet. Schliesslich werden sich die Kinder nicht nur an eine neue Schule, mit neuen Klassenkameraden, Lehrern und Regeln gewöhnen müssen, sondern auch an eine neue Sprache. Chiaras Englischkennnisse beschränken sich auf ein halbes Jahr Schulenglisch mit zwei Semesterwochenstunden und Matteo kennt bis jetzt nur wenige Vokabeln, die hauptsächlich im kulinarischen Bereich angesiedelt sind.

Die Anmeldung verlief recht unkompliziert, da wir die Unterlagen bereits in der Schweiz angefordert und ausgefüllt hatten. Zusätzlich mussten wir noch die Orginale der Geburtsurkunden, einen Beleg über den fehlerfreien Impfstatus der Kinder und den Mietvertrag als Nachweis über den Wohnort (in Amerika gibt es keine Meldepflicht) mitbringen. Auf dem Schulamt wurde alles kopiert und das wars. Am Tag darauf bekam ich einen Anruf der jeweiligen Klassenlehrerinnen von Chiara und Matteo und vereinbarte einen kurzen Besuch in ihren Klassen. Mitschüler wie Lehrer waren in beiden Fällen ungemein freundlich und hilfsbereit, so dass die Kids sich auf ihren ersten Schultag dann auch richtig freuen konnten. Chiara geht in die 5. Klasse der Heritage School und wird von Mrs. Densham  unterrichtet. Ihre Schule besteht aus je 13 vierten und fünften Klassen. Matteo besucht die Harvest Elementary School, welche Kinder vom Kindergarten bis zur 3. Klasse betreut. Seine Lehrerin heisst Mrs. McMaster . Matteo hat sogar das Glück, eine Mitschülerin zu haben, die fliessend Deutsch spricht und ihm am Anfang helfen kann. Chiara muss sich ohne deutschsprachige Unterstützung durchschlagen, hat aber jede Menge hilfsbereite Klassenkameradinnen, die sie sehr herzlich aufgenommen haben.

Nach den ersten drei Schultagen kann ich beruhigt sagen, dass sich unsere Kinder schon weit besser hier zurechtfinden, als Philipp und ich uns dass in unseren kühnsten Träumen hätten vorstellen können.

Was in Amerika, im Vergleich zur Schweiz oder Deutschland, ein bisschen speziell ist, ist der täglich Weg zur Schule und zurück mit dem Auto. Es gibt auch Schulbusse, deren Benutzung wir in Zukunft definitiv anstreben werden, aber aus Sicherheitsgründen erst, wenn die Englischkenntnisse der Kids alltagstauglich sind. Bis dahin reihe ich mich also jeden Tag in die Schlange der SUV-Moms ein und lade die Kinder vor der Schule ab. Damit bei diesem Prozedere kein Gedränge oder womöglich irgendeine Gefahr für die Schulkinder droht oder, noch schlimmer, ungeordnetes Chaos entsteht, hat man im „Land of the Free“ natürlich auch dafür ganz genaue Regeln. Es gibt einen sogenannten „Drop-off-Loop“ in den sich alle Mamamobile einreihen, geduldigen darauf warten bis sie dran sind, um dann in der „Dropp-Off-Zone“ ihren Nachwuchs innerhalb von 7 Sekunden in die Welt des Wissens zu entlassen. Wessen Nachwuchs es in den besagten 7 Sekunden nicht schafft, sich vorschriftsmässig abzugurten, samt Schulsack das Auto zu verlassen und den Fussgängerstreifen zu überqueren, muss sich leider als Looser outen, auf dem regulären Parkplatz parken und die Frucht seiner Lenden per Pedes zum Fussgängerstreifen geleiten – freilaufende Kinder jeden Alters sind nämlich auf dem Parkplatzgelände „for Safetyreasons“ strengstens verboten.

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An den ersten beiden Schultagen blieben wir vom „7-Second-Drop-Off“ noch verschont, da ich Chiara am ersten Tag zum Klassenzimmer begleitet habe und die Anweisungen der Lehrerin zur Schliessfachnutzung übersetzt habe. An Tag zwei mussten noch Notfallpapiere ausgefüllt werden, aber heute Morgen waren wir fällig und ich näherte mich siegessicher der „Drop-Off-Zone“, nur um mich 7 Sekunden später kleinlaut zu den Loosern zu gesellen. Ich hatte nämlich vergessen, dass mein Miet-SUV während der Motor läuft, automatisch alle Türen verriegelt. Selbstverständlich habe ich den Entriegelungsknopf nicht gleich gefunden und schwupps waren 7 Sekunden vorbei. Nun ja, neuer Tag, neues Glück ;-).

Matteo ist übrigens noch nicht im „Drop-Off- Alter“. Ihn begleite ich konventionell zu Fuss vomParkplatz bis zum Schuleingang. An seiner Schule sind Kindergartenkinder und Erstklässler im „Drop-Off-Loop“ noch nicht zugelassen.

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