Back to school – back to blog…

IMG_5703Und schon wieder ist der Blog in den Tiefschlaf gefallen und dabei bin ich mir der Tatsache durchaus bewusst, dass das Internet einem längere Nickerchen in der Regel nicht verzeiht. Aber da ich ja die besten Leser aller Zeiten habe, tu ich jetzt einfach mal so als wär nichts gewesen und lass euch wissen, wie’s bei uns so läuft.

Vor drei Wochen waren auch in Michigan die Ferien vorbei und der Alltag hat uns nun wieder. Wenn ich jetzt von Alltag spreche, dann meine ich, die letzten Wochen waren sehr herausfordernd, um es mal vorsichtig auszudrücken. Philipp arbeitet seit einer gefühlten Ewigkeit 14h täglich, da es in der Firma einen unerwarteten Personalengpass gegeben hat und er nun alleine die Arbeit von vier Personen abdecken muss. Nebenbei versucht er neue Mitarbeiter anzustellen, was hier allerdings nicht so einfach ist, aber darauf gehe ich dann ein anderes Mal näher ein.

Für uns als Familie heisst das, wir müssen die  gemeinsamen Abendessen vorerst auf die Wochenenden verschieben und die Kids sehen den Papa entweder nur zum Gute-Nacht-Sagen oder gar nicht. Das ist momentan, besonders für Philipp, der eigentlich nur noch zum Schlafen nach Hause kommt, sehr anstrengend, aber wir hoffen auf baldige Entspannung der Lage, sobald die freien Stellen besetzt sind.

Was die Kids betrifft, hat das neue Schuljahr viele Veränderungen gebracht.

IMG_5713Chiara geht jetzt zur Saline Middle School und hat aufgrund des Lehrplans ein Schuljahr übersprungen. Sie ist jetzt also in der 7. Klasse. Das bedeutet, es gibt keinen Klassenverband mehr an dem sie sich orientieren könnte. Sie hat einen persönlichen Stundenplan und wechselt in jeder Stunde den Lehrer, das Zimmer und das Fach. Ich muss zugeben, dass ich zuerst Bedenken hatte, wie sie es allein in dem riesigen Schulhaus mit einem sehr engen Zeitplan schaffen soll, die richtigen Zimmer pünktlich zum Unterrichtsbeginn zu finden. Nun, meine Sorge war grundlos – sie hat das vom ersten Tag an super hingekriegt und sich, im Gegensatz zu mir :-), nicht ein einziges Mal verlaufen. Am Elternabend in der ersten Woche habe ich dann mit jedem Lehrer gesprochen und dabei festgestellt, dass diese in den meisten Fällen noch nicht einmal bemerkt haben, dass Chiara keine Amerikanerin ist. Trotzdem waren die ersten beiden Wochen sehr hart, weil wir uns erst in den neuen Rythmus einfinden mussten. Chiara ist mit Schulbeginn ins Cross Country Team eingetreten, was bedeutet, dass sie jeden Tag nach der Schule noch zwei Stunden Training hat. Sie steht um halb sieben auf und ist in der Regel erst um 17:15 Uhr zuhause. Dann muss sie ihre recht umfangreichen Hausaufgaben erledigen. Da hier jedes Hauptfach täglich unterrichtet wird und die Wahlfächer aller zwei Tage, sind die Aufgaben meist am nächsten Tag fällig und werden auch prompt benotet, was ich dann als Mutter online kontrollieren kann.

Die persönliche Beziehung zu den einzelnen Lehrern scheint in Amerika deutlich wichtiger zu sein als in Deutschland und der Schweiz. Der Lehrer sieht sich hier mehr als Serviceprovider, der dein Kind mit der nötigen Bildung versorgt und sich dabei in aller Regel grösste Mühe gibt, jedes einzelne Kind kennenzulernen. Zu diesem Zwecke haben die meisten Lehrer ein Formular erstellt, in welchem die Eltern gebeten werden, die jeweilige persönliche und lerntechnische Situation ihres Kindes darzulegen, um eine optimale Betreuung zu gewährleisten. Zusätzlich werden dann Emails verschickt, Webseiten, Facebook-, Twitter-, Instagram- und Flickraccounts erstellt, denen die engagierte Mutter selbstverständlich uneingeschränkt folgt, um up to date zu sein, was im jeweiligen Klassenzimmer so läuft. Nun die Elternabende, Vorstellungsrunden und die schier unendliche Emailflut haben einen enormen Zeitaufwand verursacht und mich zur Reorganisation meines Postfaches gezwungen. Obendrauf musste dann noch Schulmaterial besorgt werden, da dort jeder Lehrer seine eigenen Vorstellungen hat. Wir haben zwar in der letzten Ferienwoche die Listen der Schulen vollständig abgearbeitet, wurden aber dann täglich mit neuen Listen konfrontiert, die wir dann noch mal eben erledigen mussten – in den einschlägigen Geschäften waren in der ersten Schulwoche jeden Abend unzählige Mütter anzutreffen, die versuchten aus dem riesigen Sortiment die richtigen Heftgrössen, Linierungsabstände und Bleistiftstärken herauszusuchen. So gegen Wochenmitte, gab es sogar Warenengpässe und wir waren gezwungen mehrere Läden abzuklappern bis wir hatten, was wir brauchten.

IMG_5700Für Matteo hat sich im neuen Schuljahr nicht ganz so viel verändert. Er ist immer noch an der Harvest Elementary School und besucht dort planmässig die zweite Klasse. Eine Änderung gab es allerdings. Die Klassen werden hier jedes Jahr neu zusammengemischt und die Lehrer unterrichten auch jeweils nur eine Stufe. Das heisst, Matteo hat jetzt eine neue Klassenlehrerin und neue Mitschüler. Darüber war er am ersten Schultag nicht sehr erfreut, da alle seine Freunde in einer anderen Klasse waren. Mittlerweile hat er sich aber daran gewöhnt, hat neue Kollegen gefunden und sieht seine früheren Kumpels in der Pause. Sein Lieblingsfach ist Spanisch, was hier ab der ersten Klasse unterrichtet wird. Auch Matteo ist nun endlich wieder Teil eines Sportteams – er spielt zweimal die Woche Fussball und zusätzlich dazu Basketball. Jeden Samstag ist ein Spiel worauf er sich immer schon ab Montag freut.

Seit dieser Woche sind wir in unserem Ablauf auch etwas routinierter und haben einen Plan entwickelt, wie wir vier Sportteams (Chiara hat zusätzlich zu Cross Country noch mit Gymnastik angefangen) und jede Menge Hausaufgaben unter einen Hut bekommen ohne dass die Kids bis 23.00 Uhr wach sind.

Und falls ihr euch jetzt alle fragt, warum, um Himmels Willen, derart viel Zeit für ausserschulische Aktivitäten investiert werden muss, will ich das noch kurz erklären. Die Freizeitgestaltung ist in Amerika deutlich organisierter. Um hier Freunde zu finden und sich zu integrieren muss man Teil irgendeines Teams sein. Die Teams sind dann auch keine locker organisierten Freizeitsportvereine, sondern werden mit Uniformen ausgestattet und von professionellen Coaches  zum Teil fünf mal in der Woche trainiert. Das klingt jetzt hart, ist aber überaus effizient auf allen Gebieten. Teamgeist hat oberste Priorität und wird auf verschiedenste Arten gefördert. Bei den Cross Country Wettkämpfen stehen grundsätzlich alle Läufer an der Bande und feuern auch den allerletzten Teamkollegen an, selbst die letzten Läufer aus den gegnerischen Teams werden am Schluss des Rennens noch mit tosendem Applaus empfangen. Wer sich unkollegial verhält fliegt raus und wenn die Schulnoten unter dem Durchschnitt sind, wird der jeweilige Schüler solange gesperrt bis der Mindestschnitt wieder erreicht ist. Es ist allgemein so, dass der Sport und die Schule hier einen sehr hohen Stellenwert haben. Man versucht eine Gemeinschaft zu schaffen, mit der sich jeder identifizieren kann. Da gibt es dann z.Bsp. Tage, an denen die ganze Schule blau-gelb, die Farben von Saline, trägt und jeden Morgen im „Morning Announcement“ werden alle Mittelschüler über anstehende Wettkämpfe und sonstige Schulereignisse informiert.

Das war’s dann ersmal für heute. Demnächst gibt es hier die Fotos unseres Roadtrips zu sehen…

Stay tuned!

 

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